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zurück zu: Aus Deutschen Kreisen
Poetische Urlaubsverse
von Christine Hambach
Veröffentlicht im Washington Journal am 11. September 1987
WASHINGTON - Mit poetischer Ader tippte Washington Sängerbund
Mitglied Christine Hambach bei ihrem kürzlichen "Heimat-Urlaub"
folgende Verse per Reiseschreibmaschine auf das rauhe, graue Klosett-
papier der Bundesbahn zur Melodie der "schwäbschen Eisebahne" und
schickte diesen originellen Urlaubsgruß aus Deutschland an Renate
Wenzel, die Frau des Washington Sängerbund Präsidenten. Hier ein
Nachdruck der Verse in der Original-Spurweite des Bundesbahn–“Papiers”:
Auf der deutschen Bundesbahne
kann man mit und ohne Fahne
ob gescheit – ob unerfahrn
durch das nasse Deutschland fahrn.
Um von all den Autoschlangen
nicht andauernd eingefangen,
waehlten ich und mein Hermann
auch die deutsche Bundesbahn.
In dem tollen Baden–Baden
stiegen wir ganz vollbeladen
mit Koffer – Schirm und Attache
in ein Nicht Raucher Coupe.
Auf der nächsten Haltstatione
offensichtlich sich sehr schonend
kam mit ondoliertem Haar
ein seriöses Künstlerpaar.
Dachte gleich, die feinen Leut
reisen sicher nach Bayreuth
wo man jetzt grad Wagner spielt
und sich schrecklich klassisch fühlt.
Plötzlich durch den engen Gang
schob ein schwarzbefrackter Mann
Lockend duftenden Kaffee –
Vier Mark Achtzig, o Herrje!
Aus den Augenwinkeln – heimlich
dass das Zuschaun nicht zu peinlich –
sah wie auf der Polsterbank
das feine Paar den Kaffee trank.
Als der heisse Trunk zu Ende
griffen dann die Künstlerhände
nach ’nem schwarzen Seidentuch
darinnen lag ein Liederbuch.
lch wollte meinem Blick nicht traun
was die Augen taten schaun:
Sie wühlten in den Noten rum
von Brahm'ses Deutschen Requium!
Drum auch auf deutschen Bundesbahnen
muscht du ganz vorsichtig planen
und aufpassen wie ein Luchs –
sonscht wirst verfolgt vom Oskar Fuchs.
So 'ne kleine Schreibmaschine
tut auch schaffe auf der Schiene
tut man mit der Eisenbahn
durch das deutsche Laendle fahrn.
Bis ich Euch bald wiedersehe
wuensch vom Kopf ich bis zur Zehe –
Ferienruh am warmen Strand
vom regennassen Heimatland.
Herzlichst,
Christine
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